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Kurt Scharf

geb. am 13. Mai 1954

gelernter Maschinenbauer;

des weiteren tätig im landwirtschaftlichen und medizinischen Bereich

Literatur-Fernstudium am Leipziger Literaturinstitut (1978-81)

Veröffentlichungen/Artikel/ Nachdichtungen in deutschsprachigen Periodika (z.B. „RISSE. Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern“), Tageszeitungen und Anthologien

mehrere Arbeits-Stipendien (z.B. der „Stiftung Kulturfonds“)

eigenständige Buchpublikationen (keine Selbst- oder Druckkostenzuschußverlage!):

1994: „Kometen und Katzen“ (berdel verlag Selm);

2005: „Zugegen“ (Edition M, Weimar u. Rostock)

Kontakt:

Waldstraße 1

D-17438 Wolgast

Schwarzes Auge

Der See verwunschen lag
von Dunkelheit umhüllt
so still am halben Tag,
mit Schatten angefüllt.

Es standen hart am Rand,
vom Licht nur schwach berührt,
die Bäume Hand in Hand
an schwankes Land geführt.

Der Stunden matte Fracht,
die Sonne, schlief entrückt,
und Geister tanzten sacht,
vom Walde überbrückt

(2010).

Ich bin das Blatt

am Winterbaum,
ich schwebe matt
aus deinem Traum

und liege dann,
für lange Zeit,
im weißen Tann
solang es schneit.

Wenn Frühling wird
und alles hell
in Wärme flirrt,
eventuell

entdeckst du mich
im Waldgeschatt:
da warte ich,
als neues Blatt.

(2010)

Spurenzug

           Den Kindern.

Wenn des Nachts die Flocken fallen,
senkt sich neu herab zu allen
schöner Schneegesang.

Rufen wieder Kufenstangen,
wollen hin zum Berg gelangen
schon am frühen Tag.

Eingeritzt in Hügelhänge,
schnurgeradgezogne Länge,
blitzt die Schlittenspur.

(2010)

Ach diese seidenweichen Nächte,
wenn der Schlaf sich um uns legt.
Der Mond, in fahler Wanderwolke,
schwimmt vorbei am Nachbarhaus;
die Worte, auch die unbedachten,
sammelt sorgsam er nun ein
(sie schwebten durch gardinenlose
Fenster zur asphaltnen Straße hin)
und teilt sie später wieder aus
wo andre Liebe wachend wohnt.
So hat er wohl, auf seiner weiten
Reise hin zum frühen Tag, genug
zu tun. Ach, diese seidenweichen
niemals gleichen Nächte, wenn
der Schlaf sich um uns legt.

(2005)

„Formstrenge“ gilt zu Recht als ein Charakteristikum der Literatur Kurt Scharfs. Da dieser Poet alle wichtigen Traditionen kennt, ist in seinen Texten nichts dem Zufall überlassen. Dennoch werden sie nicht von kalter Konstruktion beherrscht, sondern der Leser spürt bald eine vitale, unverbrauchte Imaginationskraft. Das dominante ästhetische Verhältnis Kurt Scharfs zur Welt zeigt sich sowohl in seinen Natur- und Liebesgedichten als auch in seiner sprachlich außergewöhnlich intensiven Prosa.

schreibt Wolfgang Gabler
(Literatur-Wissenschaftler aus Pastow bei Rostock)

zu diesem Buch

Dann

Die Kinder tauschten gern
den Sommer ein
für einen Flockentag,
dann schnitten
Schlittenkufen sie hinein
ins erste Winterkleid.

(1969)