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Rudi Reinsch

geb. 1934 in Berlin

Beruf Stahlschiffbauer. Danach Studium mit Abschluss als Außenhandelskaufmann und Diplom-Ökonom. In Ausübung des ökonomischen Berufes  10 Jahre Auslandstätigkeit in Wien bzw. Oslo.

Schreibt seit frühester Jugend Gedichte.

Mitglied im Verband „Schreibende Jahresringe“ und in der „Gesellschaft der Lyrikfreunde“.

Veröffentlichungen im Rahmen von Wettbewerben der Nationalbibliothek Deutschsprachiger Gedichte 2004 und 2005 und vieler in Berlin ausgeschriebener Poetenwettbewerbe.

Veröffentlichungen von Gedichten und Kurzgeschichten in der Regionalzeitung „Bucher Bote“ und in mehreren Anthologien.

Herausgabe der Gedichtbände „Ein Hauch von Menschlichkeit“ 2018 und „Einmal Florida und zurück“ 2019.

Regelmäßige Lesungen mit eigenen Texten und mit Texten aus dem Gesamtschaffen deutschsprachiger Lyrik. Vorträge über die Entwicklung deutschsprachiger Lyrik von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Thematik eigener Texte konzentriert sich in den letzten Jahren besonders auch darauf, die ältere Generation anzusprechen.

Weitere Interessengebiete sind Schach, Gesellschaftstanz, Line-Dance,

Fotografie und Malerei.


Fazit

Was kann ich denn jetzt noch bewegen,
was bleibt mir noch, dankbar, zu tun.
Ich spür´ die Gedanken, die regen,
sie wollen einfach nicht ruhn.

Kann ich noch alles erkennen,
wenn mich die Lebenszeit treibt,
Kann ich noch wahrhaft benennen,
alles was Wert hat und bleibt.

Es halfen mir viele Jahrzehnte,
den Lebensfluss zu verstehn,
doch was ich als Nächstes ersehnte,
ist oft ganz anders geschehn.

Doch war denn das andre Geschehen
immer ein schlimmes Geschick,
oder geschah durch versehen
mir plötzlich ein liebliches Glück.

Oft find ich in quälenden Fragen
Was mir nicht dauerhaft blieb,
das wär mir in heutigen Tagen
auch alles teuer und lieb.


Coronaische Erkenntnisse

So unsagbar winzig und kaum zu erblicken,
ein hässliches Virus in böser Gestalt,
versprüht sein Verderben mit listigen Tücken,
und brüstet sich mit totaler Gewalt.

Ich will es nicht schlucken, ich will es nicht fassen,
obwohl es mich aerosolisch umgarnt.
Wir sollten es schnellstens davon ziehen lassen;
Wir wurden ja durch die Regierung gewarnt.

Der Unhold bewegt sich gefräßig und sicher,
und wenn man ihn ständig bedrohte und beschimpft,
vernehmen wir nur sein leises Gekicher:
„Warum habt ihr euch nicht besser geimpft?“

Natürlich muss man dem Winzling was husten,
so kann man ihn täuschen, und wenn es dann glückt
wird er mit einem gewaltigen Pusten
ins desinfizierte Jenseits geschickt.

Ich hab mir Umarmungen vorbehalten,
so fest, wie ich es von jeher getan.
Es kann uns doch dieser Räuber nicht spalten,
wenn man ihn liebend zerquetschen kann

Nur so wird der Siegeszug eingeleitet,
maskenverhüllt und kanülenbestückt,
bis uns, von Negativtesten begleitet,
ein völlig neues Leben beglückt.

Gefahren (Drei Stanzen)

Es flog die Biene zu den Weideplätzen,
zur kargen Blütenpracht am Ackerrand,
um in die Blütenkelche sich zu setzen,
wo sie doch immer etwas Süßes fand.
Sie trank den Nektar, aber mit Entsetzen
hat sie zu spät den Todeskelch erkannt.

Des Menschen Hilfedrang für Saat und Pflege,
kreuzt unvermeidlich auch des Todes Wege.

Sehr jung war sie und voller Lust am Leben,
voll Lust bei Facebook, Instagram und Co.
Sie zeigte sich, nur um sich zu erheben,
und fiel ins Netz, entblößt und irgendwo.
Es blieben ihr so mobbingtiefe Gräben,
dass sie vernichtet dieser Welt entfloh.

So wird das Digitale unsrer Zeiten
stets mit Verrat uns, und Betrug begleiten.

Die Häuser sind im Lavastrom vergraben,
die Flut schiebt Tod und Elend übers Land,
das Feuer frisst den Wald, den wir noch haben,
der Weltraumschrott hat seinen Platz erkannt.
Es schmilzt das Eis, die Dürre lässt kein Laben,
die Erde ist vom Würgegriff umspannt.

Wir waren willenlos und ließen es gewähren!
Wie soll man das den Kommenden erklären?

Mühle im Fischerdorf

Fünf Spaziergänge

Die Erde war weiß, der Himmel war grau,
der Park war voll wirbelnder Flocken.
Bei solchem Spaziergang, das weiß ich genau,
stellt die Natur ihren Winter zur Schau,
um alle ins Freie zu locken.

Und als ich das nächste Mal ging durch Park
war alles so grün, voller Düfte,
und was der Winter mir vorher verbarg,
drang jetzt in die Sinne, ins Blut und ins Mark,
als Frühling voll wärmender Lüfte.

Und wieder ging ich die Wege entlang,
vorbei an den gleißenden Farben,
dem Blühen, das einem Zauber entsprang,
genau so, wie der Vögel Gesang,
die zwitschernd den Sommer umwarben.

Dann bin ich erneut durch die Wege spaziert;
die Düfte waren betörend,
die Früchte so prall und wie aufpoliert.
Der Sonnenschein hat alles verziert;
so hell und heiß und zerstörend.

Und als ich dann nochmals die Schritte gelenkt
quer durch den Park Richtung Norden,
hat sich der Regen mit Schnee vermengt.
Ich weiß nicht, wie das zusammenhängt,
ich bin wohl zu alt schon geworden.

Am Wolfgangsee