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Rudi Reinsch

geb. 1934 in Berlin

Beruf Stahlschiffbauer. Danach Studium mit Abschluss als Außenhandelskaufmann und Diplom-Ökonom. In Ausübung des ökonomischen Berufes  10 Jahre Auslandstätigkeit in Wien bzw. Oslo.

Schreibt seit frühester Jugend Gedichte.

Mitglied im Verband „Schreibende Jahresringe“ und in der „Gesellschaft der Lyrikfreunde“.

Veröffentlichungen im Rahmen von Wettbewerben der Nationalbibliothek Deutschsprachiger Gedichte 2004 und 2005 und vieler in Berlin ausgeschriebener Poetenwettbewerbe.

Veröffentlichungen von Gedichten und Kurzgeschichten in der Regionalzeitung „Bucher Bote“ und in mehreren Anthologien.

Regelmäßige Lesungen mit eigenen Texten und mit Texten aus dem Gesamtschaffen deutschsprachiger Lyrik. Vorträge über die Entwicklung deutschsprachiger Lyrik von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Thematik eigener Texte konzentriert sich in den letzten Jahren besonders auch darauf, die ältere Generation anzusprechen.

Weitere Interessengebiete sind Schach, Gesellschaftstanz, Line-Dance,

Fotografie und Malerei.

Der Wald
(Ein liebes Gedicht)

Sie ist der Wald, in dem ich mich verfange;
im kühlen Schatten und im satten Grün.
Die dunkle Tiefe macht mir Angst und Bange,
doch jede Lichtung läßt das Herz erglühn.

Sie ist der Wald, in dem die Rätsel warten,
als Dämmerlichter zwischen Busch und Baum,
die dann erstrahlen, wie ein bunter Garten
und wie ein schöner lichterfüllter Traum.

Sie ist der Wald, in dem die Stimmen schwingen,
als fremdes Raunen flatternd im Geäst
und sind dann doch betörend süßes Singen,
das mich im Innersten erbeben läßt.

Sie ist der Wald, der mich umhüllt und bindet,
der lebensprühend, doch zuweilen trist,
mein Frohsein oder Ärgernis begründet.
Ein Wunderwald, der mein zu Hause ist.

Die Suche nach einem markanten Punkt

Es war ein Berg, auf dem ich kürzlich stand,
ich blickte über Wälder, über Höh´n.
Ich schaute rundherum ins ganze Land,
Markantes aber konnte ich nicht seh´n.

Ich suchte weiter still und unverzagt,
sah auf die Hügel und das Tal am Fluß,
ob nicht doch etwas aus der Erde ragt,
damit ich länger nicht mehr suchen muß.

Und dann erkannte ich ein kleines Haus,
weit in der Ferne als markanten Fleck;
ich war erfreut und wanderte hinaus.
Das war ja auch des Suchens ganzer Zweck.

Jedoch am Ziel hab ich sofort erkannt,
das Haus war alt und sichtlich im Verfall;
war ruinös und keinesfalls markant,
und solche Punkte gibt es überall.

Drum bin zum Berg ich schnell zurückgerannt,
der schien, wie in die Weite eingetunkt,
und ich erkannte, als ich oben stand,
er ist der eigentlich markante Punkt.



Das zarte Lied der Nachtigall

Es war ja reichlich Zeit in meinen Jahren,
dass dies und jenes Schöne mir geschah.
Tausend Momente konnt ich mir bewahren,
die ich erkannte, hörte oder sah.

Nun war mir wieder solch ein Glück beschieden,
da mir weit außerhalb der großen Stadt,
in einer Nacht voll Ruhe und in Frieden,
die Nachtigall ein Lied gesungen hat.

Es war ein unbeschreiblich schönes Singen
von Glück und Wehmut ohne jede Zeit.
Ich hör das Rufen in den Zweigen schwingen,
als Melodien für die Ewigkeit.

Ich muss es nicht von Julia erfahren,
von keinem Dichter mehr, der mich belehrt.
Ich hab nun selbst in meinen späten Jahren
Das zarte Lied der Nachtigall gehört.

Mühle im Fischerdorf



Das Liebe

Es kam auf mich zu
und hüllte mich ein
und sagte gleich Du,
so leise und fein.

Es wärmte so schön
und lächelte mild
und wollt ich es sehn,
ergab es kein Bild.

Es war voller Charme,
voll Rätsel und Glück
und hob ich den Arm,
dann ging es zurück.

Und bot ich die Hand,
entzog es sich ganz
und ging unerkannt
durch Lichter und Glanz.

Mir war, als hätten wir beide geweint;
nun warte ich, dass es wieder erscheint.

Am Wolfgangsee